Geschichte intellektuell 978-3-16-153317-4 - Mohr Siebeck
Geschichtswissenschaft

Geschichte intellektuell

Theoriegeschichtliche Perspektiven
Hrsg. v. Friedrich Wilhelm Graf, Edith Hanke u. Barbara Picht

2015. VIII, 533 Seiten.
69,00 €
Festeinband
ISBN 978-3-16-153317-4
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'Geschichte intellektuell' heißt: Geschichte in ihrer Relevanz für Gegenwart und Politik zu denken. Autorinnen und Autoren aus den Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften loten Grundfragen der Geschichtstheorie neu aus, beschreiben Geschichtsintellektuelle, erproben Möglichkeiten interdisziplinären Geschichtsdenkens und betrachten Europa als Schauplatz und Problem der Historiographie.
Geschichte intellektuell, das heißt: Geschichte in ihrer Relevanz für unsere Gegenwart und das politische Handeln zu denken. 28 Autorinnen und Autoren aus den Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften denken über dieses Wechsel- und Spannungsverhältnis in diesem Band neu nach: über Grundfragen der Geschichtstheorie und ihren Standort als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute. Sie porträtieren Geschichtsdenker und Geschichtsintellektuelle wie Jacob Burckhardt, Max Weber, Eric Hobsbawm und Stefan Czarnowski. Indem sie Geschichte interdisziplinär denken, befassen sie sich mit Begriffen und deren Transfer aus den Nachbardisziplinen und in andere Kulturen. Schließlich, im vierten Teil des Aufsatzbandes, betrachten sie Europa als Schauplatz der Geschichte und zugleich als ein Problem der Historiographie. Alle Beiträge verbindet der Bezug auf Gangolf Hübinger und sein Verständnis von Geschichtswissenschaft als intellektuellem Beruf.
Inhaltsübersicht
Friedrich Wilhelm Graf: Einleitung: Problemgeschichte(n) denken. Zu Gangolf Hübingers impliziter Historik

I. Zur Theorie der Geschichte: Selbstreflexion und Impulse
Karl Schlögel: Chronotop – Überlegungen zur Räumlichkeit von Geschichte nach dem »spatial turn« – Reinhard Blänkner: Geschichte und Geschehen. Zur Historizität der »Geschichte« als Wissensform – Barbara Picht: Moderne denken. Zeittheorien bei Bauman, Braudel und Koselleck – Walter Erhart: Literaturgeschichte denken – Lutz Raphael: »Gescheiterte Krisen«. Geschichtswissenschaftliche Krisensemantiken in Zeiten postmoderner Risikoerwartung und Fortschrittsskepsis – Dieter Langewiesche: Laien-Historiographie mit hohem Anspruch. Naturwissenschaftler erklären Geschichte: Emil du Bois-Reymond und Justus von Liebig

II. Geschichtsdenker und Geschichtsintellektuelle
Wolfgang Hardtwig: »Die Geschichte des Revolutionszeitalters«. Ein neues Hauptwerk von Jacob Burckhardt – Edith Hanke: Max Weber und die historische Empirie – Guenther Roth: Archivrecherchen im Umfeld von Max Weber – Max Spohn: Eine frühe Form der historischen Soziologie: Stefan Czarnowski – Benedikt Stuchtey: Eric Hobsbawm und Victor Kiernan über Revolution und Expansion – Sérgio da Mata: Geschichts-Intellektuelle in der Krise. Das Unbehagen in der heutigen brasilianischen Geschichtswissenschaft

III. Geschichtsdenken interdisziplinär
Wolf Feuerhahn: Was ist ein Streitbegriff? Über den »Prozeß der Zivilisation« bei Norbert Elias – Wolfgang Schwentker: »Karisuma« in Japan? Übersetzung, Deutung und Anwendung einer fremdkulturellen Kategorie – Christian Hörnlein: Abgrenzungen und politische Konversionen. Anmerkungen zum Konzept sozialmoralischer Milieus bei M. Rainer Lepsius – Beate Henn-Memmesheimer: Geschichte als Wortgeschichte denken. Eine linguistische Perspektive auf Kult – Bożena Chołuj: Vergessen aus Mangel an Beweisen? Die Solidarność-Frauen im toten Winkel von Denkgewohnheit und Methodentradition der polnischen historischen Forschung – Dittmar Dahlmann: Peter Simon Pallasʼ wissenschaftliches Werk und die Entfaltung der Wissenschaften an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert – Klaus Weber: Von der Plantage zum »working prison«. Ein kurzer Überblick zur Historiographie der Sklaverei – Hinnerk Bruhns: Über die Ökonomie der Historiker und die Historie der Ökonomen. Streiflichter vom Beginn des 20. Jahrhunderts – Barbara Beßlich: Von der »Alchemie der Zukunft« zum Glauben der Väter. Hermann Bahrs Erlösungshoffnung und Geschichtsdenken zwischen Nationalökonomie und Katholizismus

IV. Europa als Schauplatz und Problem der Historiographie
Christoph Cornelißen: Transnationale Geschichte als Herausforderung an die Europa-Historiographie – Christof Dipper: Die Vielfalt der Moderne. Darmstadt um 1900 – Roger Chickering: Thomas Mann auf Hamsterfahrt. Selbstisolierung und Deutungsansprüche des Intellektuellen im Krieg 1914–1918 – Friedrich Lenger: Krieg, Nation und Kapitalismus 1914–1918. Werner Sombart, seine Freunde, Kollegen und das Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik – Meike G. Werner: Freideutsche Jugend und Politik. Rudolf Carnaps Politische Rundbriefe 1918 – Nikolai Wehrs: Ernst Troeltschs politische Auslandskontakte nach 1918
Personen

Friedrich Wilhelm Graf Geboren 1948; Studium der Ev. Theologie, Philosophie und Geschichte in Wuppertal, Tübingen und München; 1978 Promotion zum Dr. theol; 1986 Habilitation; Ordinarius für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München.

Edith Hanke ist Generalredakteurin der Max Weber-Gesamtausgabe bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München.

Barbara Picht ist Akademische Mitarbeiterin an der Axel Springer-Stiftungsprofessur für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder).

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Märkische Oderzeitung — 14. Oktober 2015, S. 9 (Ralf Loock)
In: Geschichte für heute — 2016, Heft 4, S. 111–112 (Uwe Walter)
In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie — 28 (2016), S. 478
In: Das Historisch-Politische Buch — 64 (2016), S. 420–421 (Dirk Fleischer)
In: Theologische Literaturzeitung — 142 (2017), S. 410–413 (Christoph Lorke)
In: Archiv für Sozialgeschichte — 57 (2017), S. 537–552 (Thomas Kroll)