Mohr Siebeck im Elektroland

Rechnet Mohr Siebeck sich zur »holzverarbeitenden Industrie« oder zum »Elektrohandel«? Bisher schien eindeutig ersteres der Fall zu sein, das Titelblatt dieses Mohr Kuriers könnte einen radikalen Wechsel signalisieren. Da ist der folgende Versuch einer Klärung vielleicht angebracht.

Wir haben bisher praktisch nur »analoge« Bücher veröffentlicht: gedruckt auf Papier und herkömmlich gebunden. Bei deren Entstehung hat in den letzten Jahren die Digitaltechnik eine immer größere Rolle gespielt. Von der Erstellung und Übergabe des Manuskripts über dessen »Umformatierung« bis hin zum Druck ginge heute ohne die elektronischen Helferlein nichts mehr.

Unseren »analogen« Zeitschriften, die wir ja nicht einzeln sondern im Abonnement verkaufen, haben wir vor Jahren zunächst versuchsweise eine digitale Version an die Seite gestellt, derer sich die zahlenden Abonnenten bedienen konnten. Das hatte erwartungsgemäß zur Folge, dass Mehrfachabonnements an einer Institution noch schneller abgebaut wurden. Die Papierausgabe wurde aber zum Glück nicht gänzlich »kannibalisiert«. Wir haben unser digitales Angebot deshalb zügig auf alle unsere Zeitschriften ausgebaut und stellen dort, wo diese Ausgaben in einer Bibliothek integriert sind, schnell steigende Nutzungszahlen fest.

Aus den wenigen bisher vorliegenden Studien zum »crossmedialen« Nutzungsverhalten scheint sich zu ergeben: Wer etwas gründlich lesen oder lernen will, möchte es gedruckt in der Hand haben; wer etwas suchen, finden und Zitate nachprüfen will, bevorzugt den schnellen digitalen Zugriff. Das legte es nahe, dass wir auch unsere anderen Publikationen in beiderlei Form anbieten sollten. Dazu steht der nächste Versuch nun bevor.

Ab März 2012 werden wir zunächst über internationale Bibliotheksanbieter 600 monographische Titel der vergangenen fünf Jahre aus ausgewählten Schriftenreihen samt der jeweils neuen Bände aus diesen Reihen digital anbieten.

Dieses Angebot richtet sich zunächst an Bibliotheken und soll, wie von diesen gewünscht, sowohl eine Einzelauswahl (»pick and choose«) als auch die dauerhafte Nutzung (»perpetual access«) ermöglichen. Bibliotheken können je nach Anbieter zwischen unterschiedlichen Erwerbungsmodellen für den campusweiten Zugang (»campus license«) wählen; beim einen können auch Privatkunden digitale Mohr‑Bücher kaufen.

Diese E‑Bücher werden absichtlich die Formatierung ihrer papierenen »Geschwister« beibehalten (»bookmarked PDF‑files«); wir betrachten unsere zwar konservative, aber der Sache entsprechend ausgeklügelte Typographie nämlich als Vorteil für jeden Leser. Und wir werden die E‑Bücher nicht gesondert verzeichnen, sondern bei ihren Geschwistern einen entsprechenden Vermerk machen. Da sie diesen sehr ähnlich sind, werden sie in der Regel auch das gleiche kosten und zeitgleich erscheinen.

Weitere Schritte sind in der Planung. Wir wollen dabei aber einige grundlegende Prinzipien beachten:

(1) Der Name des Verfassers oder der Verfasserin soll untrennbar mit jedem Dokument verbunden bleiben.

(2) Es soll immer eine Möglichkeit geben, das Dokument in seiner vom Autor gutgeheißenen Gestaltung zu lesen.

(3) Die Dokumente sollen in ihrem Zusammenhang bleiben.

(4) Das »Mohrische«, also die Herkunft aus unserem Verlag, soll in jedem Dokument erkennbar sein. In diesem Sinne wünsche ich allen unseren Lesern einen scharfen Blick auf das Elektrische, was über den entsprechenden Handel aus unserem Hause kommt. Und ich wünsche mir Kritik, wenn wir dabei zu kurz, zu weit oder in die falsche Richtung gegangen sind.


Georg Siebeck


[Geschrieben für den Mohr Kurier 2012/1 im Januar 2012.]


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