Forschung(sbegleitung) und Lehre

Vor zwei Jahren hat unsere erste Auszubildende hier angefangen, in wenigen Wochen geht sie in die schriftliche Prüfung, und wir sind alle mit ihr gespannt: Was wird sie denn für Noten bekommen, jetzt und dann in der mündlichen Prüfung im Januar? Wird sie bis dahin schon etwas Neues in Aussicht haben? Und wie wird es mit unserer zweiten ‚Azubine‘ weitergehen, die ein Jahr später angefangen hat?

Was immer die beiden jungen Frauen hier getan und gelernt haben, sie haben auch uns ‚Altmohren‘ verändert.

Da war zunächst vorbereitend ein Lehrplan zu erstellen: Welche Stationen sind vorzusehen? Was sollte dort vermittelt werden? In welcher Reihenfolge und wie lange? Paßt das in den sonstigen Arbeitsablauf und in die Zeitpläne der Buchhändlerschule? Wie bekommen Lehrlinge und ‚Lehrlingsmutter‘ Rückmeldung aus den Stationen? Das war zunächst eine Herausforderung für nur einige wenige.

Aber dann bekamen diese Pläne ein Gesicht, einen neugierigen Kopf, eine ganze Person. Da waren dann alle gefordert: Warum machen wir das? Warum so? Jeder mußte und konnte da Auskunft geben, ja durfte zeigen, was er oder sie kann. Dazu mußten Antworten auf die gestellten und auf ungestellte Fragen zurechtgelegt werden. Das klärte dann auch manches, worüber nie nachgedacht worden war. Und es stärkte das Selbstvertrauen.

Ich denke, unsere Auszubildenden haben mit uns viel mehr angestellt, als sie sich das selbst vorstellen. Wir ‚Alten‘ haben viel mehr über die Traditionen der Zusammenarbeit im Hause nachgedacht. Wir alle trauen uns nun viel mehr zu, diese neu zu denken, wie das beispielsweise gefordert ist bei unserer derzeit größten ‚Baustelle‘, der Einführung komplett neuer Computerprogramme für Auslieferung, Werbung, Abrechnung und Archivierung. Wir alle schauen mit diesen Jungen in die Zukunft unseres Berufsstandes: Wie werden Verlage in zehn, zwanzig Jahren aussehen? Welche Fähigkeiten werden dann über Erfolg oder Mißerfolg entscheiden?

Zunächst schauen wir aber mit unseren Lehrlingen in deren Zukunft: Wo wird es sie nach ihrer ‚Mohrenzeit‘ hinziehen? Werden wir sie einmal wiedersehen? Gar hier bei uns? Wir verstehen uns hier im Verlag als Dienstleister der Wissenschaft. Das ist ein höchst persönliches Geschäft: Gut kann das nur machen, wer Herz, Kopf und Hand dabei einsetzt. Unsere Auszubildenden geben uns die Zuversicht, daß es immer noch Personen geben wird, die das können und wollen. Es klingt so platt, aber es ist genauso: Sie sind die Zukunft unserer Branche und ergo auch dieses Verlages!

Georg Siebeck

[Geschrieben für den Mohr Kurier 3/2006 im September 2006.]

 

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