Kaufmann, Thomas Luthers "Judenschriften". Ein Beitrag zu ihrer historischen Kontextualisierung |
Thomas KaufmannLuthers "Judenschriften"Ein Beitrag zu ihrer historischen KontextualisierungThomas Kaufmann greift die Frage nach den historischen Entstehungsbedingungen und Abfassungsintentionen von Luthers sogenannten „Judenschriften“ - Daß Jesus Christus ein geborener Jude sei (1523), Wider die Sabbather (1538), Von den Juden und ihren Lügen, Vom Schem Hamphoras, Von den letzten Worten Davids (alle 1543) - auf. Dabei zeigt sich, daß der Reformator Anlässe und Situationen konstruierte, um sein zentrales Anliegen zu propagieren: die christologischen Weissagungen des Alten Testaments. Keine der Schriften war an jüdische Adressaten gerichtet; sie dienten primär der Stabilisierung einer christlichen Gesellschaft. In Bezug auf die Publizistik der 1520er Jahre, in denen zahlreiche Schriften zur „Judenfrage“ veröffentlicht wurden, lässt sich ein breites Echo der ersten „Judenschrift“ Luthers nachweisen. Im Kampf gegen die Judenheit, mit der er nur wenige persönliche Erfahrungen gemacht hat, war Luther seit den 1530er Jahren buchstäblich jedes Mittel recht. In der Schrift von 1538 etwa konstruierte er die Gefahr jüdischer „Proselytenmacherei“, um zu erreichen, daß die Juden aus protestantischen Territorien ausgewiesen würden. Eine für Luther immer wichtiger werdende, auch für die späten „Judenschriften“ entscheidende Front bildete eine christliche Hebraistik, die seiner christologischen Deutung alttestamentlicher dicta probantia nicht folgte. |










