Phänomenologie des Hörens

Espinet, David  Phänomenologie des Hörens. Eine Untersuchung im Ausgang von Martin Heidegger.
2009. X, 266 Seiten. PhU 23

ISBN 978-3-16-149971-5
fadengeheftete Broschur € 49.00

David Espinet

Phänomenologie des Hörens

Eine Untersuchung im Ausgang von Martin Heidegger.

David Espinet nimmt die Frage nach der Rehabilitierung des Hörens im Kontext philosophischer Theoriebildung auf. Entgegen einer vielfach visualistisch geprägten, hörvergessenen Erkenntnistradition erweist sich für Heideggers Denken das auditive Erfahrungsmuster als ebenso zentral. Im Hören klingt auf besondere Weise jene vorintentionale Offenheit an, die das, was zu denken gibt, zuläßt. Im Ausgang von Heideggers zahlreichen Einzelanalysen des Hörens, die David Espinet zu einer gut verständlichen Gesamtdarstellung zusammenträgt, entsteht sowohl die Rekonstruktion von Heideggers Phänomenologie des Hörens als auch darüber hinaus die sachlich-systematische Beschreibung der Hörerfahrung selbst. In ihrer Strukturganzheit erstreckt sich diese vom sinnlichen Hören bis zu unakustischen Erfahrungen wie Verstehen oder Denken. Hören und Denken prägen sich jeweils in einem differenzierten Wechselspiel aus - als hörendes Denken, das offen ist für unerwarteten, noch stillen Sinn; und als denkendes Hören, das in seiner Leiblichkeit über den verständlichen Sinn hinaus auch Unverständliches, mithin Fremdes oder Anderes, vernimmt. Im Resonanzraum des Leibes meldet sich so der Anspruch auf Offenheit, dem das Denken sich nur verschließen, aber nicht entziehen kann. Diese Überlegungen werden flankiert durch eine Reihe geschichtlich-systematischer Einzelanalysen, die Heideggers Rehabilitierung des Hörens in das Spannungsfeld unterschiedlicher Positionen stellt: Visualprimat und Hörvergessenheit (Parmenides, Platon, Aristoteles und Husserl); die begriffliche Relevanz der Hörmetaphorik im philosophischen Text (Blumenberg); die Hörbarkeit des Logos und die Phänomenologie (Heraklit); Stimme und Hören jenseits präsenzmetaphysischer Prämissen (Hölderlin, Derrida); die leibliche Dimension des hörenden Denkens (Merleau-Ponty, Proust).


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